Kunstweg am Reichenbach
 
Kunstweg am Reichenbach

Rüdiger Seidt

Rüdiger Seidt-Vogelhaus Triptychon
Vogelhaus Triptychon, 2010, oxidierter Stahl, ca. 680 x 400 x 400 cm

Vogelhaus-Triptychon

Eigentlich ist dem vergnüglichen, heiteren Betrachten der drei Vogelhäuschen nichts hinzuzufügen.  Auf Anhieb wird die verheißungsvolle Assoziation zum fröhlichen Vogelgezwitscher im Frühling geweckt. Die Vögel in der Luft und die Blumen aus der Erde sind die Frühlingsboten schlechthin.  Und gerade diese Verbindung der beiden Elemente Erde und Luft wird durch das „ Vogelhaus-Triptychon“ so wohltuend spaßig und heiter geschaffen.

Ein humorvolles Kunstwerk zum Spaß und zur Freude des Betrachters. Auf die Andeutung einer Mahnung ist souverän verzichtet. Und doch regt es den Einen oder Anderen vielleicht zum Nachdenken an. Die formale Überzeichnung des Verhältnisses Last und Stütze geht ja geradezu ins Groteske. Schießen wir Menschen nicht allzu oft mit „ Kanonen auf Spatzen“?
Der Meise dient ein dünner Ast oder ein Schilfrohr zum Nestbau. Wenn der Mensch mit Stahl oder Beton in die Natur eingreift, findet dies nie so unmerklich und friedvoll statt. Auch das Schaffen der menschlichen Wohnstatt ist immer mit einem Abgrenzen, einem Entfernen und Abschotten gegen die Natur verbunden.  Das Vogelhaus aus Stahl symbolisiert diese Betrachtungsweise  eindringlich. Aber das Kunstwerk bleibt in diesem doch häufig zitierten Kontext nicht stecken. Das letzte Wort hat nicht der Mensch sondern wiederum die Natur:
Der Rost, der in langsamsten Zeiträumern die vermeintlich „ewigen“ Strukturen des Stahls wieder auflöst, macht den Zerfallsprozess menschlichen Schaffens erlebbar.

Johannes Wunsch